Kanal Zapping – Prolog (überarbeitet 2012)

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„Peter! Kommen Sie verdammt noch mal hier rein!“

Peter Johnson, so ist mein Name. Ich sah von meiner Trennwand hoch. „Äh, ich frage mich, was die Drachenlady jetzt wieder will,“ sagte ich, als ich am Schreibtisch meines Nachbarn vorbei ging.

„Vom Klang ihrer Stimme, vermute ich, dass sie deine Eier auf einen Spieß aufspießen will,“ witzelte mein Nachbar Roger.

Ich warf ihm einen verstörten Blick zu. „Sehr lustig. Wenn ich in einer Stunde nicht zurück bin, rufst du besser die Polizei…“

„Du sagst es, Kumpel.“

„Peter!“ Veronicas Stimme dröhnte aus ihrem Büro. „Rein hier! Sofort!“

Ich eilte zum Büro seiner Vorgesetzten und dachte daran, dass es der letzte Ort war, an dem ich jetzt sein wollte. Ich hatte meinen Job beim Kundendienst bei Globo Vision Cable vor über einem Jahr bekommen und hatte Veronica seit dem niemals in guter Laune gesehen. Es war sogar noch schlimmer geworden, als ich einmal den Fehler machte und sie Ronnie nannte. Meine Kollegen und ich hatten etliche Spitznamen für sie: Drachenlady, Beelzebabe und der Kastrator waren nur einige von ihnen. Sie war eigentlich eine sehr heiß aussehende Frau, Mitte dreißig, aber von ihrer Persönlichkeit her, war sie die personifizierte SCHLANGE.

Ich steckte meinen Kopf zur Tür rein und hoffte, dass sie ihn mir nicht abgebissen würde. „Sie wollten mich sehen, Veronica?“

„Natürlich wollte ich sie sehen! Denken sie ich genieße es, wegen Nichts zu Schreien?“

Ich entschied mich, dass es besser war, eine entsprechende Antwort bei mir zu behalten. „Worum geht es?“

„Der Sturm hat drei Sendemasten in der Stadt umgeweht und unser Signal ist gerade ausgefallen. Ich denke, dass vielleicht ein Mast auf einer unserer Satellitenschüsseln außerhalb der Stadt gefallen ist.“

Ich wusste nicht, was all das mit mir zu tun hatte, außer einer Welle von aufgebrachten Kunden, die sich per Telefon Luft machen würden. „Und Sie haben mich weswegen hergerufen?“

„Peter,“ sagte Veronica, „Ich möchte, dass Sie raus fahren und sehen, ob Sie das Signal wieder in Gang setzen können.“

„Was?! Ich bin in der Kundenbetreuung. Sie brauchen einen Techniker, um so was zu reparieren. Außerdem ist da draußen wahrscheinlich Hurrikanwetter. Niemand wird zu einer Schüssel hoch klettern!“

„Nun, Ich weiß, dass Sie zu einem Technikkurs oder so waren…“

„Computertechnik,“ berichtigte ich sie.

„Und ich dachte, Sie würden ein wenig Abwechslung zu schätzen wissen und nicht die ständigen Beschwerdeanrufen der Kunden vorziehen, die Ihnen vor heulen, das mal wieder der Pornokanal nicht richtig funktioniert.“

Ich hasste es, aber ich musste mir auch eingestehen, dass Veronica vielleicht Recht hatte. Es war Prime Time und ich konnte jetzt schon das Klingeln der Telefone hören. Das letzte was ich jetzt noch brauchte war, die Beschwerden praktisch jeden Zuschauers entgegen zu nehmen. Ich seufzte als mir klar wurde, dass ich in dieser Situation nicht gewinnen konnte. „Was genau soll ich machen?“

„Fahren Sie einfach raus zur Satellitenschüssel und prüfen Sie, ob alles in Ordnung ist. Wenn Sie einen Fehler finden, beheben Sie ihn. Und um Ihnen zu zeigen, wie dankbar ich bin, können Sie, wenn Sie das Signal wieder in Gang bekommen, den Rest der Nach frei nehmen.“

„Und wenn ich es nicht hin bekommen, muss ich klitschnass mir das Gezeter der Kunden anhören, richtig?“

„Das würde ich einen guten Anreiz nennen,“ sagte Veronica mit einem teuflischen Grinsen. „Reparieren Sie einfach die verdammte Schüssel und Sie können nach hause.“

Ich konnte durch die Fenster sehen, dass es in draußen in Strömen regnete, hatte aber keine andere Wahl. „Okay, ich mach es,“ sagte ich. „Aber dann nehme ich einen von den Technikwagen.“

„Ist mir doch egal. Bringen Sie das Signal nur wieder in Gang.“ Veronica warf mir ein Schlüsselbund zu.

Ich schlüpfte durch die Hintertür des Gebäudes und rannte durch den Regen zum einzigen Technikwagen, der sich noch auf dem Parkplatz befand. Meine Sachen waren schon völlig durchnässt, bevor ich den Wagen erreichte. Ich ließ ihn an und fuhr vom Parkplatz. Beim Burgerladen um die Ecke, machte ich einen kleinen Zwischenspot, bevor ich mich in Richtung Stadtgrenze aufmachte, wo sich die Satellitenschüsseln befanden.

Um den Zaun, der die Schüsseln umgab, zu öffnen, musste ich aus dem Wagen steigen. Es gab keine Lichter bei den Schüsseln, doch immer wenn es blitzte, konnte ich etwas auf der Schüssel sitzen sehen. Ich setzte mich wieder zurück in den Wagen und aß den Burger auf. Dann nahm ich mir eine Taschenlampe und stieg wieder aus, um das Problem anzugehen. Als ich dann unter der Schüssel stand, wurde ich wenigstens nicht mehr so nass.

Ich kletterte die Leiter hoch, wobei ich ein paar Mal wegen der nassen sprossen abrutschte, bevor ich die Luke zur Schüssel erreichte. Mit einer Hand die Leiter umklammernd, warf ich die Luke auf. Sofort bekam ich einen Schwall Wasser mitten ins Gesicht. Nach dieser Dusche kletterte ich auf die Schüssel. Ich knirschte mit den Zähnen, es war eine Schweinekälte hier oben, und zog die Taschenlampe aus der Tasche. Ich richtete den Strahl auf das Ding auf der Schüssel und erkannte, dass es eines dieser Kinderplantschbecken war. „Der Wind muss es hier hoch geblasen haben,“ sagte ich zu mir selbst. Vorsichtig bewegte ich mich zu dem leeren Stück Plastik hin und sah, dass dort kleine Zeichentrickfiguren aufgedruckt waren. „Scheiß Yu-Gi-Oh… Ich hasse diesen Mist.“ Ich griff das Ding und warf es über den Rand der Schüssel. „Mission erfolgreich beendet, Mister Johnson,“ scherzte ich. „Auf nach hause zu einem heißen Bad.“ Ich begab mich langsam zurück zur Luke.

Gerade als ich das Loch erreichte, wurde ich vom Wind erfasst, der mich wieder zurück über die glitschige Oberfläche der Schüssel schleuderte. Beinahe wäre ich auf den Hintern gefallen, hätte ich nicht noch rechtzeitig die Spitze in der Mitte der Schüssel zu fassen bekommen. „Nächstes mal, wenn Veronica einen Spezialjob für mich hat,“ sagte ich und versuchte mich an der Spitze festzuhalten, „werde ich ihr sagen, dass sie mich am aaaaAAAAAAARRRRGGGGGHHHH!“

Ein Blitz traf mich. Ein unglaublich grelles weißes Licht blendete mich, während die Elektrizität durch meinen Körper floss. Es fühlte sich an, als würde ich von tausenden glühenden Nadeln durchbohrt. Dann wurde alles dunkel.

***

Zurück bei Globo Vision, kam gerade das Signal zurück. „Hmmph, vielleicht ist Peter ja nicht so ein Versagen wie ich dachte.“ sagte Veronica erstaunt.

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